Schon Anfang/Mitte Mai (oder früher?) hat der Hannoveraner
Morits One sein Mixtape “
…Weil Ichs Kann!” veröffentlicht und da ich in der letzten Zeit fast keine Musik gehört habe, hat es bei mir mal wieder gedauert bis ich mich damit beschäftige. Mortis One ist, wer sich nicht auf Freestyle-Sessions im Norden rumtreibt, evtl. bekannt von der “
Feuer über Deutschland 3” DVD. Musik wie die seine wäre vor einigen Jahren noch als hoffnungslos gestrig abgetan worden, selbstproduzierte dreckige Sample Beats – hier und da mit ebenso dreckigen Synthies angereichert -, klassische Battle- und Szene Tracks stehen neben einigen Selbstbetrachungen, wie der Video-Single “
Teufel im Nacken“, komplettiert von zahlreichen Cuts und einem tatsächlich gemixten Tape.. Doch in Zeiten wo die ewigen trueschooler – und natürlich hier gefeatureten –
Abroo und
Dra-Q in der Juice wieder gut wegkommen, schlägt dieses Tape einige Wellen. Was sicher neben den
Antihelden Features auch an den Verses von
Morlockk Dilemma,
Sabac Red (von
Non Phixion) und
Projekt Gummizelle liegt. Mich haut “… Weil Ichs Kann!” nicht unbedingt um, das Tape ist sicher eine runde Sache, gut produziert mir aber dennoch zu konventionell – speziell die Texte – und trotz guter Technik Mortis Flow zu monoton, die Stimme – ein etwas unfaires Kriterium, das ist mir bewusst – geht mir auch recht fix auf die Nerven, Deutschrap Fans können trotzdem sicher mal ein Ohr riskieren.
http://images.rappers.in/Mortis_One_-_...Weil_ichs_kann_(2010).rar
Umse ist im deutschen Underground schließlich schon lange kein Unbekannter mehr, spätestens seit seinem Album “Rheinisches Blatt”, das für einige Aufmerksamkeit sorgte und die dank einiger Sampler-Beiträge auch nicht abriss. Musikalisch bleibt alles weitestgehend beim Alten, die smooven Sample Beats kommen von
Deckah, Sterio und
Exzem, die klingen heute zwar noch fresh, sind aber wie das gesamte Paket noch tief in den 90ern verwurzelt. Die Raps fügen sich da nahtlos ein und machen klar, warum Umse im Netz häufig mit dem jungen
Dendemann verglichen wurde, er hat eine ausgeprägte Vorliebe für Vergleiche und einen Wortschatz, wie er vielen bekannteren Rappern fremd ist. Umso ärgerlicher ist es, dass trotz des großen Wortschatzes viele Reime vorhersehbar und einige nur Zweckreime sind, ärgerlich auch, dass er trotz seiner guten Technik immer noch wenig Variation in seinem Flow hat. Angenehm heben sich wiederum die grundpositiven Lyrics vom Restrapdeutschland ab, aber auch da hätte etwas mehr Vielfalt gut getan. Mir wird der Rucksack hier etwas zu präsent herum getragen, nichtsdestotrotz wieder mal ein sehr hochwertiges Release von Umse, auch nach der Trennung von Tunnelblick Music, in das der geneigte Deutschrap Fan unbedingt reinhören sollte.
http://umse.de/dateien/Umse-AllerhoechsteEisenbahn.rar
Der Versuch den 41 Track starken dritten Netzwerke Sampler zu beschreiben erweißt sich als aufwendiges Unterfangen, zu viele Tracks und zu viele Künstler erschlagen einen gerade zu. Die Grundidee ist wieder die alte und auf einem Mixtape wird ein Querschnitt durch den deutschen “Backpack” Underground präsentiert, wenn dies noch eine passende Kategorie ist, in Zeiten wo Samplelastiger Hip Hop, Cuts und Scratches nicht mehr nur noch das Hobby ein paar zurückgebliebener Trueschooler ist. Neben Tracks von deutschen Underground Acts wie
Jokaz, Prezident, Kamikaze Brothers, Inflabluntahz, LST da phunky child, Donato, Umse, Deckah, Eskay, Nizzla, Schlakks, Chezz.One, Damian, Eloquent (auf einen
Tufu Beat!) und einigen anderen – wie gesagt, die Liste ist sehr lang – gibt es ein paar Remixes von internationalen/amerikanischen Acts wie
Doppelgangaz von
Soulmade,
Brown Bag AllStars von
Osten Powers,
Supastition von
Soulution, Maylay Sparks von
Choclip oder viele andere. Der Umfang ist schier erschlagend und etwas Reduktion hätte evtl. nicht geschadet, denn auf Dauer wird das Tape doch etwas monoton und nicht jeder der Tracks vermag wirklich zu überzeugen. Wer Interesse am Boombap Gesicht des Deutschrap hat, wird an diesem Tape aber sicherlich seinen Gefallen finden, die durchschnittliche Qualität ist für ein solches Tape schon sehr ordentlich.
http://netzwerke.bandcamp.com/album/netzwerke-3